Angebot Webdesign: Website-Projekt kalkulieren (mit Beispiel)
Ein praxisnaher Leitfaden für Angebote zu Website-Projekten: von den Fragen, die Sie vor der Kalkulation stellen, bis zu einem durchgerechneten Beispiel mit Paketen, Korrekturschleifen und Zahlungsplan.

Ein gutes Angebot für Webdesign beginnt mit einem kurzen Vorgespräch und gliedert das Projekt dann in klare Phasen: Konzeption und Strategie, Design, Entwicklung, Inhalte, SEO-Grundlagen und Launch, mit Hosting und Wartung als separater wiederkehrender Position. Jede Phase erhält eigene Positionen mit Mengen, Preisen und Leistungsumfang, gefolgt von der Anzahl der Korrekturschleifen, einem Zahlungsplan und einem Gültigkeitsdatum. Wenn Sie zwei oder drei Pakete statt eines einzigen Preises anbieten, fällt dem Kunden das Ja leichter.
Dieser Leitfaden geht jeden Schritt durch: was Sie fragen sollten, bevor Sie irgendetwas kalkulieren, wie Sie ein Preismodell wählen, wie Sie das Angebot aufbauen, und ein durchgerechnetes Beispiel für die Website eines kleinen Unternehmens. Ob Sie allein als Designer arbeiten oder in einem kleinen Studio, die Struktur ist dieselbe. Wenn Sie zuerst eine allgemeine Checkliste möchten, lesen Sie, was in ein Angebot gehört.
Anforderungen klären, bevor Sie ein Angebot schreiben
Die meisten Website-Projekte, die das Budget sprengen, wurden zu niedrig angeboten, nicht schlecht umgesetzt. Die Ursache ist meist eine fehlende Frage am Anfang: Niemand hat gefragt, wer die Texte schreibt, wie viele Sprachen die Website braucht oder ob das Buchungssystem mit einem bestehenden Tool zusammenarbeiten muss. Ein zwanzigminütiges Vorgespräch oder ein kurzer Fragebogen erspart Ihnen das Raten.
Fragen für das Vorgespräch
- Ziele: Was soll die Website erreichen? Mehr Anfragen, Online-Buchungen, Verkäufe, Bewerbungen, Glaubwürdigkeit?
- Zielgruppe: Wer besucht die Website, und was muss diese Person schnell finden?
- Seiten und Struktur: Wie viele Seiten ungefähr, und welche haben ein eigenes Layout und welche wiederholen dieselbe Vorlage?
- Inhalte: Wer schreibt die Texte und liefert die Fotos? Werden bestehende Inhalte übernommen, und wie viele?
- Funktionen: Kontaktformulare, ein Blog, Buchungen, ein Shop, ein Mitgliederbereich, Anbindungen an Tools, die der Kunde schon nutzt?
- Sprachen: eine Sprache oder mehrere? Mehrsprachige Websites bedeuten zusätzlichen Aufwand bei Design, Umsetzung und Inhalten.
- Branding: Gibt es ein Logo und einen Styleguide, oder muss das zuerst erstellt werden?
- Plattform: Hat der Kunde ein bevorzugtes CMS, oder will er die Website selbst pflegen?
- Zeitplan: Gibt es eine feste Deadline, etwa eine Eröffnung oder eine Kampagne?
- Budget: Hat der Kunde eine Spanne im Kopf? Offen zu fragen erspart Ihnen, ein Paket zu entwerfen, das sich niemand leisten kann.
- Entscheider: Wer gibt das Design frei, und wer unterschreibt das Angebot?
Ein Preismodell wählen
Den einen richtigen Weg, eine Website zu bepreisen, gibt es nicht. Die meisten Designer und Agenturen nutzen eines von vier Modellen oder eine Mischung daraus.
| Modell | So funktioniert es | Gut geeignet, wenn | Achten Sie auf |
|---|---|---|---|
| Festpreis pro Projekt | Ein Preis für einen vereinbarten Umfang, meist auf Basis Ihrer eigenen Stundenschätzung | Der Umfang klar ist und Sie ähnliche Websites schon gebaut haben | Unterschätzung; Sie tragen das Risiko, wenn die Arbeit länger dauert |
| Pro Seite oder Vorlage | Ein Preis pro eigener Seitenvorlage plus ein niedrigerer Preis für Seiten, die eine Vorlage wiederverwenden | Websites mit vorhersehbarer Struktur; Kunden können leicht Seiten hinzufügen oder streichen | Kunden zählen vielleicht Seiten statt Vorlagen; komplexe Funktionen passen nicht sauber hinein |
| Tages- oder Stundensatz | Eine geschätzte Anzahl Tage zu Ihrem Tagessatz, abgerechnet nach tatsächlichem Aufwand | Unklarer Umfang, laufende Verbesserungen oder Arbeit an einer bestehenden Website | Kunden können schwerer planen und hinterfragen womöglich jede Stunde |
| Wertbasiert | Der Preis spiegelt den Wert, den die Website für den Kunden voraussichtlich schafft | Websites mit messbarer geschäftlicher Wirkung, etwa Leadgenerierung oder E-Commerce | Erfordert ein gutes Verständnis des Kundengeschäfts und ein selbstbewusstes Gespräch |
Für die Website eines kleinen Unternehmens ist ein Festpreis aus klaren Positionen oft am leichtesten freizugeben: Der Kunde weiß, was er zahlt, und sieht, wohin das Geld fließt. Intern können Sie jede Position trotzdem aus einer Schätzung von Tagen zu Ihrem Satz berechnen. Denken Sie nur daran, einen Puffer für Projektmanagement, Meetings und Feedbackrunden einzuplanen, die man leicht vergisst und die selten klein ausfallen.
Das Angebot nach Phasen gliedern
Teilen Sie das Projekt in Phasen, die Ihrer tatsächlichen Arbeitsweise entsprechen. Kunden vertrauen Preisen, die sie nachvollziehen können, und getrennte Positionen erlauben es ihnen, den Umfang anzupassen, statt einen Rabatt auf die Summe zu verlangen.
- 1Konzeption und Strategie: Kick-off-Workshop, Ziele, Sitemap, Seitenstruktur und bei Bedarf Wireframes.
- 2Design: visuelles Design der Startseite und jeder eigenen Seitenvorlage, für Desktop und Mobil, mit einer festen Anzahl an Korrekturschleifen.
- 3Entwicklung: Umsetzung der Vorlagen im gewählten CMS, responsives Verhalten, Formulare und spezielle Funktionen wie ein Blog oder ein Buchungstool.
- 4Inhalte: Einpflegen oder Übernehmen von Inhalten sowie Texterstellung oder Fotografie, falls Sie das anbieten. Sagen Sie ausdrücklich, wenn die Inhalte Sache des Kunden sind.
- 5SEO-Grundlagen: Seitentitel und Meta-Beschreibungen, saubere URLs, Weiterleitungen von der alten Website, grundlegende Performance-Checks und das Einreichen einer Sitemap. Formulieren Sie zurückhaltend; das ist ein Fundament, keine laufende SEO-Kampagne.
- 6Launch: Tests in verschiedenen Browsern und auf verschiedenen Geräten, Livegang und eine kurze Schulung, damit der Kunde die Website selbst aktualisieren kann.
- 7Hosting und Wartung: eine wiederkehrende monatliche oder jährliche Position für Hosting, Updates, Backups und kleine Änderungen. Halten Sie sie vom einmaligen Projektpreis getrennt.

Wireframes, Prototypen und ein vollständiges Designsystem.
Responsive Umsetzung, CMS-Einrichtung und Performance-Optimierung.
Go-live-Begleitung und ein praxisnaher Team-Workshop.
In einem PDF müssen Sie ständig zwischen Detail und Lesbarkeit abwägen. Mit interaktiven Positionen halten Sie die Übersicht kurz und lassen den Kunden bei jeder Position die vollständige Beschreibung, einen Screenshot eines früheren Designs oder ein Beispiel-Wireframe aufklappen.
Ein durchgerechnetes Beispiel: Website für ein kleines Unternehmen
Hier ein Beispielangebot für eine Physiotherapiepraxis vor Ort, die eine neue Website mit etwa acht Seiten, einem Kontaktformular und einem einfachen Blog möchte. Die Texte und Fotos liefert der Kunde. Die Preise unten veranschaulichen nur die Struktur und sind keine Marktdaten. Die Sätze unterscheiden sich stark je nach Land, Erfahrung und Art des Kunden, setzen Sie also Ihre eigenen Zahlen ein.
| Position | Menge | Einzelpreis | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Konzeptions-Workshop, Sitemap und Wireframes | 1 Projekt | 650 € | 650 € |
| Design der Startseite (Desktop und Mobil, 2 Korrekturschleifen) | 1 Vorlage | 900 € | 900 € |
| Design weiterer Seitenvorlagen (je 2 Korrekturschleifen) | 3 Vorlagen | 450 € | 1.350 € |
| Umsetzung der Vorlagen im CMS | 4 Vorlagen | 500 € | 2.000 € |
| Kontaktformular und Blog einrichten | 1 | 450 € | 450 € |
| Einpflegen der vom Kunden gelieferten Texte und Fotos | 8 Seiten | 60 € | 480 € |
| SEO-Grundlagen: Titel, Meta-Beschreibungen, Weiterleitungen, Sitemap | 1 | 350 € | 350 € |
| Tests, Launch und 1 Stunde Schulung für den Editor | 1 | 400 € | 400 € |
| Zwischensumme netto | 6.580 € | ||
| USt. 21 % | 1.381,80 € | ||
| Gesamtbetrag brutto | 7.961,80 € | ||
| Optional: Hosting und Wartung | pro Monat | 45 € | 45 € / Monat |
Einige Dinge machen dieses Beispiel stimmig. Design und Entwicklung werden pro Vorlage berechnet, nicht pro Seite, sodass der Kunde versteht, warum acht Seiten nicht das Achtfache kosten. Die Korrekturschleifen stehen direkt in der Position. Texterstellung steht nicht auf der Liste, und die Annahme, dass der Kunde die Inhalte liefert, ist ausdrücklich genannt. Hosting wird separat als wiederkehrende Option gezeigt, damit es den Projektpreis nicht aufbläht und der Kunde es wählen kann oder nicht. Der Umsatzsteuersatz ist ein Beispiel für einen belgischen Geschäftskunden; verwenden Sie den Satz und die steuerliche Behandlung, die zu Ihrer Situation passen.
Drei Pakete statt eines Preises anbieten
Ein einzelner Preis lädt zu einer Ja-oder-Nein-Entscheidung ein. Drei Pakete machen daraus eine Wahl zwischen Optionen, und das ist ein viel leichteres Gespräch. Für das Beispiel oben könnten die Pakete so aussehen:
- Basis: bis zu fünf Seiten auf zwei Vorlagen, Kontaktformular, SEO-Grundlagen, eine Korrekturschleife.
- Standard: das vollständige Angebot oben, mit Blog, vier Vorlagen und zwei Korrekturschleifen.
- Komplett: alles aus Standard plus Texterstellung für die Hauptseiten, eine zweite Sprache und drei Monate Wartung inklusive.
Machen Sie das mittlere Paket zu dem, das Sie empfehlen würden, und machen Sie die Unterschiede leicht erkennbar. Unser Leitfaden zu Good-Better-Best-Preisen erklärt, wie Sie die Stufen so gestalten, dass sie dem Kunden bei der Entscheidung helfen, statt ihn zu verwirren. Mit interaktiven Preisen wählt der Kunde ein Paket, kreuzt optionale Extras wie Wartung oder eine zusätzliche Sprache an, und die Summe passt sich laufend an.
Korrekturschleifen und Scope Creep im Griff behalten
Website-Projekte sind besonders anfällig dafür, dass der Umfang nach und nach wächst, weil Kunden oft erst beim ersten Design merken, was sie wollen. Das ist normal. Das Angebot sollte nur klarstellen, was dann passiert.
- Legen Sie die Anzahl der Korrekturschleifen pro Designphase fest, typischerweise zwei, und definieren Sie, was eine Schleife ist: ein gesammeltes Feedback, kein Strom einzelner E-Mails.
- Definieren Sie, was als Änderungswunsch gilt. Neue Seiten, neue Funktionen oder ein Richtungswechsel nach der Designfreigabe liegen außerhalb des vereinbarten Umfangs.
- Bepreisen Sie Zusatzarbeit im Voraus. Nennen Sie Ihren Satz für zusätzliche Korrekturschleifen oder weitere Seiten, etwa als Stunden- oder Tagessatz, damit später nicht verhandelt werden muss.
- Arbeiten Sie mit Freigabepunkten. Lassen Sie sich Sitemap und Designs schriftlich freigeben, bevor die Entwicklung beginnt. Ein Design in Figma zu ändern ist günstig, es nach der Umsetzung zu ändern nicht.
- Bieten Sie Änderungen separat an. Wenn der Kunde etwas Neues möchte, senden Sie ein kurzes Nachtragsangebot, statt es stillschweigend mitzuerledigen.
Einen Zahlungsplan festlegen
Bei einem Projekt, das Wochen oder Monate dauert, liegt das ganze Risiko bei Ihnen, wenn Sie erst beim Launch bezahlt werden. Ein Zahlungsplan nach Meilensteinen ist üblich und leicht zu erklären:
| Meilenstein | Anteil | Beispielbetrag (netto) |
|---|---|---|
| Anzahlung bei Annahme des Angebots | 40 % | 2.632 € |
| Designfreigabe | 30 % | 1.974 € |
| Launch | 30 % | 1.974 € |
Manche Designer verlangen 50 % im Voraus, andere teilen die Zahlung bei größeren Projekten in mehr Schritte auf. Was auch immer Sie wählen: Verknüpfen Sie jede Zahlung mit einem Meilenstein, den der Kunde erkennt, und nennen Sie das Zahlungsziel auf Ihren Rechnungen. Ergänzen Sie einen Satz dazu, was passiert, wenn das Projekt auf Kundenseite stockt, etwa dass der nächste Meilenstein nach einer bestimmten Anzahl Wochen ohne Feedback in Rechnung gestellt wird. Das sind kaufmännische Entscheidungen, keine gesetzlichen Vorgaben; prüfen Sie Ihre eigenen AGB und fragen Sie bei allem, was speziell für Ihr Land gilt, Ihre Steuerberatung oder eine Rechtsberatung.
So senden, dass der Kunde wählen und kommentieren kann
Ein Angebot für eine Website wird selten ohne Fragen angenommen. Kann der Blog später hinzukommen? Ist die zweite Sprache in der Wartung enthalten? Laufen diese Fragen per E-Mail, gehen die Antworten verloren, und am Ende kursiert das Angebot in mehreren Versionen.
Wenn Sie das Angebot als Link statt als PDF senden, bleibt alles an einem Ort. Der Kunde wählt ein Paket und Optionen und kann mit Kommentaren im Angebot zu einer bestimmten Position nachfragen. Sie antworten und aktualisieren das Angebot im selben Verlauf, sodass alle die aktuelle Version sehen. Ist der Kunde zufrieden, nimmt er online an. Unser Leitfaden dazu, wie Sie ein Angebot schreiben, das Kunden annehmen, geht genauer auf Präsentation und Timing ein.
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